
Die Lebensgeschichte strukturieren – Aufbau einer Biografie als Beispiel
Wenn das Vorhaben, die eigene Biografie zu schreiben, gefasst ist, und auch hilfreiche Dokumente wie Tagebücher, Fotos und Briefe herausgesucht sind, stellt sich oft die Frage: Wie genau geht man nun dabei vor, ein Leben, das mehrere Jahrzehnte umfasst, niederzuschreiben und dabei den Überblick zu behalten? Mit welchen Vorarbeiten lässt sich das Unterfangen strukturieren, damit es gelingt?
Grobe Gliederung einer Biografie
Üblicherweise besteht eine Biografie aus einem Vorwort beziehungsweise Prolog, einem Hauptteil mit den verschiedenen Kapiteln sowie einem Epilog. An dieser groben Struktur kann man sich vor dem Schreiben orientieren, um verschiedene Lebensstationen einzuteilen und inhaltlich darzustellen. Dabei kann man sich entweder das Vorwort zum Schluss vornehmen, wenn klar ist, welche Schwerpunkte in der Biografie behandelt werden. Oder aber man beginnt mit dem Vorwort, was den Vorteil hat, dass man damit bereits den Ton oder die Themen seiner Biografie ausformulieren kann. Außerdem kann es helfen, in den Schreibfluss zu kommen. Der Prolog muss nämlich nicht den tatsächlichen Beginn des Lebens behandeln, vielmehr soll er in den Hauptteil einführen. Entsprechend kann er auch eine bestimmte typische Anekdote oder ein Ereignis beinhalten.
Hilfreich ist, sich zuvor einen Schreibplan zu machen, und die Biografie lose in verschiedene Abschnitte einzuteilen. Dabei kann man sich zur Vorbereitung Fragen zur eigenen Biografie stellen und sich Stichworte zu verschiedenen Lebensphasen oder Zeiträumen notieren, die man auf jeden Fall mit einbeziehen will. Auf diese Weise erhält man bereits einen Faden, an dem man entlanggehen kann. Er hilft zum einen, nicht stecken zu bleiben, und zum anderen, sich nicht zu verzetteln und zu ausufernd zu schreiben.
Das Schreiben des Hauptteils
Der Hauptteil ist also der Teil, der das eigene Leben in der Regel chronologisch umfasst. Nun stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien man die verschiedenen Kapitel einteilt. Die Vorüberlegungen können hierzu schon Aufschluss geben. Es bietet sich meist an, entweder nach bestimmten Ereignissen wie Schulzeit, Auslandsaufenthalten, eine überstandene Krankheit oder den Arbeitsbeginn vorzugehen, oder aber bestimmte Zeitabschnitte zu wählen, wobei sich beides auch oft überschneidet. Dabei bietet die Gliederung eine erste Orientierung, manchmal zeigt sich auch erst während des Schreibens, welche Einteilung am sinnvollsten ist.
Während man Kapitel für Kapitel seine Lebensgeschichte niederschreibt, sollte man sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie gut oder schlecht der Text wird. Auch ist es nicht empfehlenswert, während des Schreibflusses immer wieder zurückzugehen und vorherige Kapitel zu überarbeiten. Am einfachsten ist es, wenn man stringent den ersten Entwurf in einem Zug verfasst. Wenn einem während des Schreibens weitere Anekdoten oder Ereignisse einfallen, an die man zuvor nicht gedacht hat (was mit Sicherheit vorkommen wird), kann man sie entweder spontan einarbeiten oder an der entsprechenden Stelle einen Kommentar einfügen, um sie später zu ergänzen. Im Laufe des Schreibens wird sich ohnehin ein eigenes individuelles Vorgehen entwickeln.
Abschluss der Biografie: der Epilog
Ist man mit dem letzten Kapitel seines Hauptteils in der Gegenwart angekommen, sollte man die Geschichte nicht einfach so „in der Luft hängen“ lassen. Deswegen empfiehlt sich ein Nachwort oder ein Epilog, der das Erzählte noch einmal reflektiert und Bilanz zieht, oder auch einen Ausblick in die Zukunft bietet. Fragen für den Epilog könnten sein: Wo stehe ich jetzt? Was ist mir gelungen, was konnte ich nicht umsetzen? Wie sehe ich das heute? Wo will ich noch hin oder welche Vorhaben lassen mir keine Ruhe?
Rund wird die Biografie, wenn der Epilog den Prolog thematisch beziehungsweise inhaltlich aufgreift und damit den Bogen schließt.
Stilistische Tipps fürs Schreiben
Neben Gliederung und Inhalt gibt es stilistische Punkte, die die Biografie aufwerten und lebendig werden lassen. Dazu gehört:
- Sich für eine Zeitform entscheiden. Ob man die Biografie im Präsens oder Präteritum schreibt, ist jedem selbst überlassen, man muss dann aber dabei bleiben. Das Präteritum ist die übliche literarische Zeitform, das Präsens hat den Vorteil, dass es Ereignisse unmittelbarer erscheinen lässt, so als wäre der Leser selbst gerade mittendrin.
- Sensorische Beschreibungen und Details einfließen lassen. Genauer darzustellen, wie etwas gerochen, geschmeckt oder ausgesehen hat, macht die Geschichte erlebbar und anschaulich. Zudem helfen detailliertere Beschreibungen, länger bei wichtigen Ereignissen zu bleiben und sie ihrer Gewichtung entsprechend zu veranschaulichen. Sich in der Biografie Zeit für Wendepunkte und Schlüsselmomente zu nehmen, macht sie gerade so wertvoll und interessant für nachfolgende Generationen.
- Den eigenen Stil finden. Hierzu gibt es keine punktgenaue Anleitung, aber der wichtigste Tipp ist, sich an seiner eigenen Ausdrucksweise zu orientieren. Eine Autobiografie muss kein literarisches Meisterwerk sein, vielmehr soll sie die Person abbilden, deren Leben sie erzählt. Wenn der eigene Ton so transportiert wird, dass Angehörige ihn wiedererkennen, macht das die Biografie umso authentischer. Man kann also ruhig erst einmal so schreiben, wie einem der Schnabel gewachsen ist – sollte aber darauf achten, dass vielleicht nicht alle Ausdrücke oder Bezeichnungen geläufig sind, und diese gegebenenfalls erklären.
- Wie schon bezüglich des Vorworts und Nachworts angedeutet, sollte die Biografie einen Handlungs- beziehungsweise Spannungsbogen haben, auch wenn sie kein fiktives literarisches Werk ist. Das hilft außerdem, sich nicht zu verzetteln und zu viele Themen oder Anekdoten einzuarbeiten.
Jede Biografie ist individuell – deswegen gibt es auch keine allgemeingültigen Beispiele oder Vorlagen, wie eine Biografie auszusehen oder stilistisch zu klingen hat. Die obigen Tipps bieten aber schon einmal ein gutes Grundgerüst. Für weitere Anregungen und Orientierung kann man sich die eine oder andere veröffentlichte Biografie von bekannten und unbekannten Menschen anschauen. Und ansonsten gilt, wie auch bei fiktiven Texten: der Kreativität freien Lauf lassen und ausprobieren, was funktioniert und was nicht.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie Sie Ihre Autobiografie umsetzen können oder Unterstützung benötigen, melden Sie sich gern bei mir. Gemeinsam schauen wir, wie wir Ihr Leben zu Papier bringen.